Nachlese ProWein 2012


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ProWein 2012

Düsseldorf steht eher für Bier als Wein. Das machen schon die vielen Kneipen und Brauereien in Düsseldorfs Altstadt klar (Titelbild). Aber genau hier findet jährlich die weltgrößte internationale Weinmesse statt.
Wie immer riesig, voll und das vorgenommen Pensum war auch diesmal nicht zu schaffen. Aber wie immer auch sehr spannend, mit vielen interessanten Kontakten und Verkostungen.

USA
Ein Highlight war sicher die von Lucky Wines organisierte Verkostung von Weinen des amerikanischen Starwinzers Charles Smith. Seine mächtigen Syrahs sind Kult und auch die anderen Rotweine begeistern nicht nur amerikanische Weinliebhaber. Grandios war insbesondere “The Skull” Syrah 2005 aus der Magnum. Aber auch sein Riesling 2010 “Kung Fu Girl” ist hervorragend und kommt erstaunlich frisch und leichtfüssig daher, wenn man an seine alkoholstarken Rotweine gewöhnt ist. Bei einer derart homogenen und herausragenden Kollektion mag man kaum noch über den ‘nur’ sehr guten 2009er Viognier und 2010er Chardonnay “Eve” reden.

Bordeaux
Die Union des Grand Crus de Bordeaux präsentierte den Jahrgang 2009. Insgesamt ein ganz hervorragender Jahrgang, aus dem vier der angestellten Weine herausragen. Bei den weißen Gewächsen war der Château Smith Haut Lafitte überragend. Und auch bei den roten Bordeaux konnte kein anderer Wein dem Smith Haut Lafitte das Wasser reichen – groß! Dicht dahinter sah ich Château Clinet und Château Prieuré-Lichine. Eine ganze Reihe weiterer Châteaux sind ebenfalls ganz ausgezeichnet. Für den Jahrgang 2009 kann man sich sehr gut an die Devise ‘Großer Jahrgang – Kleine Gewächse’ halten. Man bekommt bei den kleinen Gewächsen zum Teil viel Bordeaux für moderates Geld.

Australien
Australien produziert durchaus hochwertige Rieslinge, keine wirklich großen Mengen im Vergleich zun anderen Rebsorten, aber auf jeden Fall beachtenswert. Beim Tasting Trail von wineaustralia gab es Dry Riesling zu verkosten. Typisch bei allen verkosteten Riesling war die schon bei jungen Weinen mehr oder minder vorhandene Bienenwachsnote, die sich bei gereifteren Gewächsen zu einer deutlichen Wachs-Petrol-Note steigerte. Sehr gut gefallen haben mir 2011 Pewsey Vale Riesling Eden Valley, der mineralisch und frisch, mit einem Anklang an Kumquat und Bienenwachs, leicht kräuterwürzig daher kommt und der 2004er Petaluma Hanlin Hill Riesling Clare Valley, der kraftvoll im Glas steht, gereift mit deutlicher Wachs-Petrol-Note, Zitrus und tropische Früchte. Alle Weine übrigens mit Screw Cap.
Australische Rotweine sind oft so konzentriert, dass sie marmeladig wirken oder an Fruchtsaftkonzentrat erinnern. Aus der Menge hervorragender australischer Rotweine auf der ProWein, die diesem Allgemeinplatz Lügen straften, sei stellvertretend auf vier wunderbare Weine hingewiesen: Der Alpha Crucis von Chalk Hill, der Uncut Shiraz von Gemtree, der Anaperena und der Amon-Ra von Glaetzer. Obwohl sie preislich ziemlich unterschiedlich sind, sind alle vier Weine elegant, kein bisschen marmeladig und sehr individuell.

Neuseeland
Jeder, der sich für Wein interessiert, hat schon mal einen neuseeländischen Sauvignon Blanc getrunken, die Lighthouse Rebsorte Neuseelands. Aber auch andere cool climate Rebsorten gedeihen gut in Neuseeland. Spannend war die von New Zealand Wine organisierte und von Brent Marris moderierte Verkostung von Pinot Noirs. Vorgestellt wurden 10 Pinot Noirs, beginnend im Weinbaugebiet Wairarapa auf der Nordinsel bis ins kühle Central Otago auf der Südinsel. Die Probe war von der Qualität der Weine her insgesamt sehr homogen, auf hohem Niveau, jeder Wein auf seine eigene Art ein typischer Pinot Noir. Aufgrund der hohen Individualität würde ich es mir nicht zutrauen zu unterscheiden, ob ein Weine eher aus dem wärmeren Norden oder kühlerem Süden kommt. Besonders gut gefallen haben mir der 2009er Palliser Pinot Noir (Martinborough) und der 2010er Akurua Pinot Noir (Central Otago).

Bio-Weine
Das erste Mal auf der ProWein, Bio-Weine als Schwerpunktthema. Ein Großteil der Halle 7.1 war für Bio reserviert, Demeter und Ecovin hatten eine gemeinsame Bühne in der Halle mit einer ganzen Reihe von Veranstaltungen. Interessant war die Verkostung pilzresistenter Rebsorten (PIWI). Am bekanntesten ist sicher die rote Rebsorte Regent, die in Deutschland auf über 2000 ha angebaut wird. Nur Insidern bekannt sind dagegen weitere rote Sorten, wie Rondo, Cabernet Carol u.a., sowie die weißen Sorten Johanniter, Solaris, Saphira u.a. Mir persönlich haben die trocken ausgebauten Johanniter-Weine am besten gefallen, aber das mag kulturell geprägt sein, denn alle haben einen touch of Riesling. Es lohnt sich auf jeden Fall mal abseits der üblichen Rebsorten zu probieren.
Von den vielen Veranstaltungen  auf der Bühne hat mich insbesondere “Bridge over troubled waters” begeistert. Stuart Pigott, Ernie Loosen und Rudolf Trossen sprachen und informierten über den geplanten Hochmoselübergang. Herzerfrischend Stuart, der kein Blatt vor dem Mund nahm und auch Ernie und Rudolf sprach Klartext: Eine Schande für eine Weinkulturnation und so sinnvoll wie ein Kropf.

Text und Fotos: Joachim A. J. Kaiser