Wein- und Sektgut Wilhelmshof


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Wein- und Sektgut Wilhelmshof

Vom Wein- und Sektgut Wilhelmshof hatte ich vorher schon gehört, immerhin zählen sie zu den besten Sektherstellern Deutschlands, allerdings hatte ich bisher noch nichts probiert. Ein Manko, das ich schleunigst zu ändern gedachte. Gelegenheit dazu hatte ich auf der Pfälzer Wein- und Sektmesse 2012 in Bad Dürkheim. Die Weine und Sekte waren durch die Bank sehr gut. Insbesondere der 2011er Weißburgunder Spätlese trocken war in der Preisklasse um 10 € mit Abstand der beste Weißburgunder auf der Messe. Es gab also allen Grund das Weingut einmal direkt zu besuchen und die Menschen hinter den Weinen kennen zu lernen.

Siebeldinger Kunstwoche im Wilhelmshof

Als wäre es nicht schon Aufwand genug hervorragende Sekte und Weine zu erzeugen, veranstaltet der Wilhelmshof seit 27 Jahren die Siebeldinger Kunstwoche. 2012 fand sie vom 2. – 10. Juni statt. Man kann nur staunen, was der Wilhelmshof als Familienbetrieb auf die Beine gestellt hat:
Gertrude Degenhardt, Künstlerin von internationalem Ruf, stellte aus. Ihre präzisen und genialen Graphiken und Gemälde, oft bissig und schön zugleich, waren sicher das Highlight der Ausstellung. Gerlinde Andruchowiczs Bilder wirkten dagegen richtig brav und bieder, einfach nur nett.
Ganz anders die Plastiken von Franz Leschinger. Kein Zweifel, es sind gegenständliche Darstellungen, überwiegend von Menschen, aber durch die Körper, durch die Portraits hindurch scheint etwas Wesentliches auf, Essenz bricht sich Bahn, umgibt Raum mit einem fast sichtbaren Kraftfeld.
Leider konnte ich nicht an allen Tagen anwesend sein, denn auch musikalisch hatte der Wilhelmshof einiges zu bieten. Fetzigen, abwechslungsreichen Jazz offerierte z.B. das Volker Klimmer Quintett. Unterstützt wurden sie von Lisa Mosinski und Herbert Weindl, die den Stücken ihre Stimme gaben. Hörenswert!
Ein Anziehungspunkt der besonderen Art, insbesondere für die Damen, war die Ausstellung der Gold- und Silberschiede Innung Pforzheim-Enzkreis. Von klassischen Ringen bis hin zu modernen, extravaganten Arbeiten aus Stahl und anderen Materialien boten die anwesenden Kunsthandwerker/innen Schmuckstücke für ganz unterschiedliche Geschmäcker an.
Auch kulinarisch kam man nicht zu kurz. Zwar gab es keine großen Menüs, aber die selbstgebacken Kuchen des Wilhelmshofs waren einfach lecker. Und Volker Kurz mit seinem Cateringservice in Landau und Restaurant in Weyer hatte mit seiner Beschränkung auf drei Gerichte genau das richtige Konzept: Wenig, aber dafür von sehr guter Qualität.

Jahrgangspräsentation und verkostete ältere Jahrgänge

Während der Kunstwoche präsentiert der Wilhelmshof auch den neuen Jahrgang. Einige ältere Jahrgänge standen ebenfalls zu Verkostung, einige hatte ich bereits vorher probiert. Spät-, Weiß- und Grauburgunder stammen aus der Lage Siebeldingen im Sonnenschein, Riesling z.T. auch aus der Frankweiler Kalkgrube. Die beiden Rotweincuvees Ambition und Rondo werden ebenso wie der Rosé und die Sekte (Riesling, Weißburgunder, Blanc de Noir, Muskateller) unter der Großlagenbezeichnung Siebeldinger Königsgarten abgefüllt.

Die Sekte haben nicht umsonst das Renommee  des Wilhelmshofs begründet. Fast alle Sekte sind von der Dosage her brut. Es gibt einen Riesling extra brut und eine sehr kleine Menge Muskateller demi-sec.
Die beiden Spätburgundersekte, der 2008er Pinot Blanc de Noir brut und der 2010er Spätburgunder Rosé brut wirkten trotz 7,1 bzw. 6,2 g/l Säure und 10,8 bzw. 8,5 g/l Restzucker sehr spritzig, ja fast stahlig. Im Vergleich dazu wirkt der 2009er Pinot Blanc de Noir brut mit seinen 7,2 g/l und 12,9 g/l Restzucker zwar ebenfalls frisch, aber auch sehr harmonisch, ja geradezu charmant. Feine Perlage, feine Hefenoten, sehr dezent Himbeere und rote Johannisbeere, ein rundum gelungener, ausgezeichneter Sekt.
Der 2009er Weißburgundersekt brut zeigt neben deutlichen Hefenoten Anklänge an Blüten und dezent Quitte und Birne. Er wirkt nicht ganz so frisch wie der Blanc de Noir und trotz einer etwas geringeren Dosage auch breiter (6,5 g/l Säure und 11,2 g/l Restzucker). Wer fülligere Sekte mag, ist damit bestens bedient.
Eine Klasse für sich ist der 2004er “Patina” Blanc de Noir brut. Noch immer mit ganz feiner Perlage ist er Eleganz und Finesse pur. Brioche und sehr dezent Toast, helle gelbe Früchte, sehr dezent rote Beeren, mit Luft taucht ein tiefdunkler Ton auf. Trotzdem frisch und animierend, ellenlang.  Man merkt, dass Herbert und Christa Roth einige Zeit in der Champagne zugebracht haben. Für einen Champagner dieser Qualität würde man hoch zweistellig oder sogar dreistellig in die Börse greifen müssen.
Der Rieslingsekt brut ist auch nicht schlecht, ein guter, typisch deutscher Winzersekt, erreicht aber nicht das Niveau der Burgundersekte.

Die 2011er Kollektion der Weißweine ist durch die Bank gelungen. Wie bereits erwähnt, überragt die Siebeldinger im Sonnenschein Weißburgunder Spätlese die anderen Weißweine, sei es der Weißburgunder Alte Reben oder die Grauburgunder. Es ist ein Weißburgunder mit der typischen Note nach weißem Pfeffer, hell gelbfruchtig, mineralisch, würzig und kraftvoll. Die Alten Reben wirken dagegen verhalten, sind zwar etwas tiefer, aber es fehlt die spielerische Eloquenz der ‘einfachen’ Spätlese. Es ist als erzählte uns Herr Weißburgunder höchstpersönlich von Sonnenschein und Wind in den Reben.
Sehr gelungen ist auch der 2010er Frankweiler Kalkgrube Riesling Kabinett trocken. Mit nur 11,5% ist er vermutlich ein echter Kabinett und keine herabgestufte Spätlese. Zitrus und Pfirsich, auch hier beim Riesling sehr würzige Noten, dezentes Rosenbukett, harmonisch-balanciert, transparent und leichtgewichtig, aber kein Leichtgewicht.

Die 2009er Spätburgunder können sich ebenfalls sehen lassen, insbesondere der “Wilhelm” Siebeldinger im Sonnenschein Spätburgunder Spätlese trocken. Ein wuchtiger Wein, aber nicht ohne eine gewisse Finesse, das Holz noch nicht richtig integriert. Er ist noch zu jung und sollte deshalb noch 3 – 4 Jahre liegen.
Die beiden Cuvees aus Spätburgunder und Cabernet (Neuzüchtung), Rondo und Ambition, haben mir dagegen nicht so zugesagt. Keine schlechten Weine, aber Weine, die weder die Eleganz eines Spätburgunders, noch die Fülle eines Cabernets haben. Irgendwo dazwischen, aber nicht wirklich verschmolzen.

Einige Gedanken

Manchmal fragt man sich, weshalb ein bestimmtes Weingut  überhaupt oder immer noch Mitglied im VDP ist. Beim Wilhelmshof ist es genau umgekehrt. Die Philosophie stimmt – seit über 30 Jahren arbeitet die Familie Roth & Co konsequent auf Qualität hin – und das Ergebnis stimmt auch. Trotzdem ist der Wilhelmshof kein VDP Mitglied. Nicht, dass es der Wilhelmshof nötig hätte, ganz im Gegenteil, es würde dem VDP gut anstehen, hätte er den Wilhelmshof in seinen Reihen.

Text und Fotos: Joachim A. J. Kaiser