Wine & Dine im Esszimmer *


Wine & Dine im Esszimmer *, Romantikhotel Goldene Traube, Coburg, 23.02.2018

Coburg ist nun wahrlich keine Großstadt. Die Kernstadt mit seiner berühmten Burg, der Veste Coburg, hat gerade mal 26000 Einwohner, mit Eingemeindungen 41000. Aber Coburg hat einen berühmten Sohn aufzuweisen, der die europäische Geschichte maßgeblich mitgestaltet hat, Seine Durchlaucht Prinz Franz Albert August Karl Emanuel von Sachsen-Coburg-Saalfeld, Herzog zu Sachsen, Prinz-Gemahl von Großbritannien und Irland. Fast so lang wie der Name seiner Durchlaucht ist die bekannteste kulinarische Spezialität Coburgs, die Coburger Bratwurst. Mit über 30 cm ist sie die längste fränkische Bratwurst und dazu noch besonders aromatisch, weil sie über getrockneten Kiefernzapfen geröstet wird. Üblicherweise isst man sie in der Semmel, aber ganz ohne Beilage geht auch. Wir wissen, dass Albert, Prinz-Gemahl der britischen Königin Victoria, die Tradition des Weihnachtsbaums aus seiner fränkischen Heimat mit nach England gebracht hat. Nicht überliefert ist, ob er sich in London ab und an eine Bratwurst über Kiefernzapfen hat rösten lassen.

Sehr viel jüngeren Datums ist dagegen ein weiteres kulinarisches Highlight in Coburg. Erst seit 2009 hat das Restaurant Esszimmer im Romantikhotel Goldene Traube in Coburg einen Michelin-Stern. Seit 2016 verteidigt Steffen Szabo den Stern, mit zarten 27 jüngster bayerischer Sternekoch. Wenn mich dann noch eine gute Freundin informiert, dass es ein 4-Gänge-Menü gepaart mit einigen meiner kalifornischen Lieblingsweine geben wird, steht die Entscheidung fest: Auf nach Coburg zu Kieferzapfen-Bratwurst, Spitzenküche und kalifornischen Tropfen! Das auf die Weine zugeschnittene Menü wurde nicht im “Esszimmer”, sondern in einem für die Veranstaltung reservierten Saal serviert.

Aperitif

2016 Sauvignon Blanc, Raymond R Collection (84/85)
Unkomplizierter Einstieg, eher zurückhaltender, ausgewogener und frischer Sauvignon Blanc.

1. Gang: Thunfisch / Avocado / Grapefruit (88/89)

Weine: 2014 Chardonnay unoaked, Monterey, Lockwood (86/87) / 2014 Chardonnay R, Raymond Vineyards (88/89)
Kombi: Chardonnay unoaked 87 / Chardonnay R 89

Sehr gelungene Zusammenstellung von dezenten Fischnoten, dem Schmelz der Avocado und der frischen Fruchtigkeit von Grapefruit. Der Chardonnay unoaked ging ganz munter mit, unkompliziert, setzte aber keinen zusätzlichen Akzent. Anders der Chardonnay R. Mehr Tiefe und mehr Dichte boten dem Gang Paroli und gleichzeitig hatte der Wein keine Mühe die Kombi auf das angenehmste abzurunden.

2. Gang: Zander / Senf / Kohl (92/93)

Weine: 2014 Chardonnay Carneros, Buena Vista Winery (90/91) / 2014 Chardonnay Napa Reserve, Raymond Vineyards (95/96+)
Kombi: Chardonnay Carneros 97 / Chardonnay Napa 92

Solo ist der 2014er Chardonnay Napa Reserve richtig großes Kino, gelbfruchtig, vibrierend, Salzkaramell, ganz lang. Zum Zander mit der sehr feinen Senfsoße dagegen ist der Carneros nicht zu schlagen. Die noch deutlich erkennbare malolaktische Note integriert sich perfekt in die leicht pikante Note der Senfsoße. Zander, Schmelz und Frucht des Weins und das Pikante der Soße verschmelzen zu einem sensationellen Geschmackserlebnis. Auch zum Kartoffelpüree mit den Mini-Broccolis passte der Carneros ganz hervorragend. Kartoffelschmelz, Broccolibitternis und Weinfrucht harmonierten aufs Vorzüglichste. Das kann man anders, aber kaum besser machen!

3. Gang: Ente / Cassis / Pfeffer (89/90)

Weine: 2013 Pinot Noir Carneros, Buena Vista Winery (91/92) / 2013 Cabernet Napa Reserve, Raymond Vineyards (94/95+)
Kombi: Carneros Pinot & Speise ohne Cassis 89 / Napa Cabernet & Speise mit Cassis 87

Zwei ganz unterschiedliche Weine und eine Beilage, Cassiscreme, die die Angelegenheit nicht leicht machten. Der Pinot Noir, zwar kein Schwächling, aber doch eher auf der eleganten Seite: Dominante Kirschfruchtigkeit mit sehr, sehr leichter, angenehmer Schlehenbitternis. Der Cabernet mit ordentlich Power und sehr viel Frucht: Vor allem Cassis und Blaubeeren. Aber auch noch deutliche, wenn gleich sehr gut integrierte Holznoten. Mit der Cassiscreme kam der Pinot gar nicht zurecht. Ente und Jus und Pinot dagegen harmonierten sehr gut. Der Pinot ließ der Ente noch Raum ihr feines Aroma zu entfalten. Die gleiche Kombi von Ente und Jus wurde vom Cabernet dagegen richtiggehend erschlagen. Mit der Cassiscreme und der Ente dagegen freundete sich der Cabernet rasch an. Zu Lasten des feinen Entenaromas, das in dieser Kombi deutlich in den Hintergrund trat. Aber immer noch sehr gut, jammern auf hohem Niveau!

4. Gang: Hartkäse Variationen mit Früchten (88/89)

Weine: 2014 Zinfandel R Collection, Buena Vista Winery (88/89) / 2014 Zinfandel Sonoma, Buena Vista Winery (92/93)
Kombi: Zin R 88 / Zin Sonoma 90 / Käse ohne Weine, aber mit den ‘Früchten’ 90

Die Früchte stellten sich als ein Rote Feigen-Zwiebel-Chutney (sauer), ein Aprikosen-Ingwer-Chutney (dezent scharf) und einen Feigensenf heraus (aromatisch)(alle drei ohne Foto). Käse: Pecorino, Parmesan und Compte. Die ‘Früchtchen’ wurden ganz bewußt getrennt vom Käsebrett serviert. Und das war auch gut so, denn gegen keine der drei ‘Früchtchen’ hätten sich die beiden Wein durchsetzen können. Und dabei waren beide Zins durchaus ordentliche Kraftpakete, der R etwas weniger als der Sonoma Zin. R Zin gefälliger, offene Frucht: Pflaumen und nochmals Pflaumen und etwas Brombeere und sogar ein Anklang an Cranberry. Der Sonoma Zin dagegen mit deutlicher aromatischer Holzprägung, tiefer, nicht ganz so fruchtig und eher in die schwarzfruchtige Richtung. Am Besten begann man mit der Käse-Wein-Kombi und ging dann über zur Käse-‘Früchtchen’-Kombi. Und siehe da, beides geht sehr gut. Beides klassische Kombination, Käse und Chutney oder Käse und Rotwein, die den Gaumen erfreuen, mit einem kleinen Vorsprung für die Käse – Sonoma Zin – Kombi.

Insgesamt ein spannender Wine & Dine Event, mit sehr guten bis herausragenden Weinen, Speisen auf Sterneniveau und der überaschenden Erkenntnis, dass Senfsoße, von einem Könner wie Steffen Szabo zubereitet, eine geniale Kombination zu Chardonnay sein kann.

 

Text und Fotos: Joachim A. J. Kaiser